Herrliche Vögel im Garten

Warum Vögel so sorglos sind

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Es ist später Nachmittag. Ich sitze auf der Terrasse unseres kleinen Gartens, schaue  verzückt dem geschäftigen Treiben der Vögel zu und freue mich über deren Gesang und ihre Geschäftigkeit. Herrlich ist das! Am Giebel des hohen Nachbarhauses singt unsere Freundin, die Amsel, die jeden Abend kommt und dort ihr Solo-Konzert abhält. Vor uns auf einem Hausdach üben kleine Rotschwänze das Fliegen. Ihr unablässiges Hochspringen und Flügeltraining samt tollpatschiger Landung wirkt wie eine misslungene Ballettstunde unbeholfener Teenager. Unter unserem Terrassen- und Hausdach haben Sperlinge ihre Nester gebaut. Geschäftig fliegen auch sie hin und her, auf und ab, um dazwischen im blühenden Apfelbaum zu rasten und ein Liedchen zu pfeifen. Ich kann mich nicht sattsehen daran, wie geschäftig und rührig sie Futter holen, ihr Gefieder putzen, miteinander spielen, zwitschern, singen, herumspringen, ihre Köpfchen drehen – und schon wieder weg sind.
 

Leben im Augenblick

So viel Leben. So viel zarte, unschuldige, verschwenderische Schönheit. Vögel sind für mich etwas Besonderes, irgendwie vollkommene Geschöpfe. Ich mag sie sehr und empfinde es jeden Morgen als Geschenk, mit ihrem Gesang bereits in den stillen Morgenstunden von ihnen geweckt und begrüßt zu werden. Als Tiere des Luftelementes sind sie Symbol für Leichtigkeit und Freiheit! Boten eines sorglosen Lebens und vor allem des Lebens ganz im Augenblick, trotz der Wehrlosigkeit, die unseren Singvögeln  zu eigen ist. Sie haben nur ihre Achtsamkeit und Schnelligkeit, aber keine Waffen. Wohl auch darum hat Jesus sie uns zum Vorbild gegeben:
 

„Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie! Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur eine kleine Spanne verlängern?“

 

Sorglosigkeit trotz Unsicherheit

Stimmt! Letztendlich weiß ich es ja: So wie jeder kleine Vogel heute vom Dach fallen, sich verletzen oder von einer Katze gefressen werden kann, so ist auch mein Leben sicher und unsicher zugleich. Ich darf und soll so wie die Vögel geschäftig sein in all dem, was ich zu tun habe und mich sorgen um das, was es braucht. Auch ich darf lebendig sein und rührig und bin eingeladen, dies in großer Freiheit und Leichtigkeit zu tun. Unnötiges Sorgen nützt nichts, morgen schon kann alles anders sein: Ein Unfall, ein Schicksalsschlag, eine Krankheit oder eine unerwartete Wende kann mit einem Schlag  in einem kurzen Moment alles verändern.
 

Der kleine Vogel im Sturm, nichts vermag ihn zu erschrecken, weder Wind noch Regen. Er weiß, dass hinter den Wolken seine Sonne immer noch scheint.

Theresia von Lisieux

 

Freiheit und Selbstverständlichkeit

Bei meinen Vogelbetrachtungen berührt mich auch die Selbstverständlichkeit dieses Vogellebens. Jeder Vogel ist, was er ist. Der Spatz ist ein Spatz. Die Amsel eine Amsel. Die Elster eine Elster und so weiter. Das lässt sich nicht vermischen. Ein Singvogel ist ein Singvogel, ein Raubvogel ist ein Raubvogel, ein Zugvogel ein Zugvogel. Natürlich ist das bei uns Menschen viel komplizierter. Und wieder auch nicht. Ich denke mir, das wäre es wohl: Im Augenblick leben und ganz sein, wer ich bin ohne etwas anderes sein zu wollen und ohne mich von einer Welt stören zu lassen, die in vielem ungemütlich und ungerecht ist.
   

Vögel singen in einer Welt, die krank, lieblos und ungerecht ist. Vielleicht haben sie Recht.

Andrea Schwarz

 

Nesterl bauen und frei bleiben

Ja, und bei all dem will ich das Singen nicht lassen – und auch nicht das Pfeifen und das Zwitschern, das Grollen und Orgeln, das Quirlen und Schlagen je nach Herzenslust. Ich will mich bemühen, mir die Freude nicht nehmen zu lassen, auch wenn das Leben mühsam ist und dunkle Wolken aufziehen. Dann will ich mich im Gewitter schnell einmal unterstellen, um mich anschließend an der gereinigten Luft und den Insekten zu freuen. Ich will Nesterl bauen und dennoch nicht darin hocken bleiben, sondern jeden Tag neu diese Lebendigkeit suchen, die mir die Vögel des Himmels vorleben. Und wenn die Katze kommt, dann flieg ich schnell davon. Ich mag Vögel. Sehr sogar!
   

Halte dich an Gott. Mach es wie der Vögel, der nicht aufhört zu singen, auch wenn der Ast bricht. Denn er weiß, dass er Flügel hat.

Don Bosco

 

Wir sind nicht NICHTS!

Lautet die Botschaft nicht auch: “Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen des Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid viel mehr wert als viele Spatzen!” (Mt 10,29ff) Das ist doch schön, oder? Herrlich, würde ich sagen! Wir kommen nicht aus dem NICHTS und wir fallen nicht ins NICHTS und wir sind auch nicht NICHTS, sondern wir sind geliebte, gewollte und behütete Geschöpfe Gottes. Die Luft, die wir atmen, der Boden, der uns trägt, die Erde, die uns nährt, der Augenblick, in dem wir singen oder klagen und jedes Fallen bis hinein in den Tod sind gehalten im großen ewigen Sein, aus dem wir kommen und aus dem wir nie herausfallen können. Unser Leben ist ein zeitliches begrenztes Aufleuchten in einem Wundermeer des Lebens, in das wir hinter allen Dingen wieder zurückfallen und gehalten sind für immer. Und jetzt erfreue ich mich weiter an der Lebendigkeit meiner gefiederten Schwestern und Brüder!
 
 
 

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